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Ein etwas anderer Religionsunterricht

"Nicht über Juden reden, sondern mit einem Juden reden." 80 Schüler und Schülerinnen der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Idar-Oberstein erlebten für zwei Stunden einen Religionsunterricht der ganz anderen Art. Zu Gast war Herr Arie Rosen, ein praktizierender Jude, der in Deutschland geboren wurde und in Jerusalem lebt.

In ihrer Begrüßung betonte Christine Gebhardt, Schulpfarrerin an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft, dass es einen Unterschied mache, ob im Religionsunterricht über das Judentum und jüdisches Leben oder mit einem Juden geredet wird. Wenn man weiß, wie ein anderer denkt, was er glaubt und wie er lebt, können Vorurteile abgebaut und Verständnis füreinander geweckt werden. Echter Dialog und Kommunikation findet nur in der Begegnung mit einem Menschen statt.

Die Begegnung mit Arie Rosen wurde in Kooperation der Organisation „ Kulturelle Begegnungen“, mit Sitz in Jerusalem, und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur durchgeführt. Besonderer Dank geht an die Sparkasse Birkenfeld, die die Kosten dieser Veranstaltung übernommen hat.

Arie Rosen hielt einen ca. 35 minütigen Vortrag über den jüdischen Sabbat. Er informierte über dessen geschichtlichen und theologischen Hintergrund. Insbesondere erläuterte er die spirituelle und existentielle Bedeutung, die ein wöchentlicher arbeitsfreier Tag für den einzelnen Menschen, für die Familie und die gesamte Schöpfung hat. Damit betonte er die Gemeinsamkeiten des Sabbats mit dem christlichen Sonntag.

Arie Rosen hatte einige Kultgegenstände des Judentums mitgebracht, z.B. Torarolle, Leuchter, Mesusa. Er zeigte, wie ein frommer Jude seine Gebetskleidung anlegt und erläuterte, was der Tallit, Gebetsmantel, und die Teffilin, Gebetsriemen, bedeuten. Anschließend durften die Schüler und Schülerinnen die Kultgegenstände in die Hand nehmen. So wurde es im wahrsten Sinne des Wortes eine Schulstunde „zum Begreifen“.

Zum Abschluss gab es die Möglichkeit zum Austausch und Gespräch. Arie Rosen beantwortete bereitwillig und offen die unterschiedlichen Fragen der Schülerinnen und Schüler, die da waren: „Darf ein Jude eine christliche Frau heiraten?, „Wie stehen Sie zu Jesus?“, „Wie stehen Sie zu der Zwei-Staatenlösung im Nahost-Konflikt?“.

Am Ende waren alles Beteiligten um viele Informationen reicher und einen Schritt weiter auf dem Weg des gegenseitigen Verständnisses und kulturellen Miteinanders.

Christine Gebhardt